Krise und Aufbruch des Ich

Krise und Aufbruch des Ich

Die Menschheit steht vor zwei Herausforderungen, denen sie im eigenen Wesen begegnet: Da ist zum einen die Egozentrik, die aus ihrer Individualisierung und Orientierung auf die Materie entstanden ist und zum anderen die Ausrichtung auf das Zähl- und Messbare, das seelisches Verbundensein überdeckt. Beides muss sie überwinden. Sie steht vor einer Revolution im eigenen Wesen.

Krise und Aufbruch des Ich - Vom Potenzial im Menschen – Rosenkreuz Verlag

Das Stiftungssymposium Krise und Aufbruch des Ich widmete sich diesen Themen. In der Broschüre zum Symposium kann man lesen:

"[...] Alle diese Traditionen boten eine Art des Wissens über diese Welt und eine Art der Erkenntnis unserer Aufgabe in dieser Welt, die sich von der Sichtweise unterschieden, die auf dem Quantifizierbaren und Messbaren beruhte. Generell können wir sagen, dass sie von einer Welt Zeugnis ablegten, die von Leben und von Bewusstsein durchdrungen, auf vielfältige Weise verbunden und für menschliche Anliegen zugänglich war. Die Menschen selbst waren ein Teil dieser Welt und hatten unmittelbar Anteil an ihrem spirituellen und kraftvollen Wesen. Wir konnten mit ihr kommunizieren. Wir standen in einer aktiven Wechselbeziehung zu ihr. […]Die Herausforderungen, denen wir uns unsere Umwelt betreffend sowie in sozialer politischer, ökonomischer und anderweitiger planetarer Hinsicht gegenübergestellt sehen, sind die Hürden, über die wir springen müssen, die Barrieren, die wir überwinden müssen, um zur nächsten Bewusstseinsstufe zu gelangen. Oder anders herum gesagt: Indem wir diesen Bewusstseinswandel vollziehen, werden wir in der Lage sein, mit diesen Herausforderungen erfolgreich umzugehen."

(Aus: Gary Lachman: Die Wiedererlangung des verlorenen Wissens von der Imagination)

"Ich [werfe] einen Blick auf das Ich unter dem Aspekt seiner Ego-Zentriertheit, die so umfassend und fundamental ist, dass die meisten Menschen sich nichts anderes vorstellen können. Der Schriftsteller David Foster Wallace bemerkte einmal, er habe noch keine einzige Erfahrung gemacht, in deren absolutem Mittelpunkt er nicht gestanden hätte. Mit anderen Worten: Wir nehmen nichts wahr, das wir nicht auf uns selbst als einzigen und wichtigsten Mittelpunkt beziehen. […]Oft geraten die inneren Bewegtheiten in Konflikt miteinander. Vielleicht möchte ich gerne helfen, Probleme zu lösen, aber genauso gerne möchte ich meine Ruhe, meine Harmonie, auch wenn sie auf meine vier Wände beschränkt bleibt. Sehr oft wiegt der ichbezogene Wunsch schwerer als der Wunsch, für ein größeres Ganzes Verantwortung zu übernehmen, an diesem großen Ganzen zu arbeiten. Wovon lassen wir uns bewegen? [...]Was hat die Menschheit aus den großen Ideen der Selbstverwirklichung gemacht? Es hat sich gezeigt, dass sie in gewissem Sinn ambivalent sind. Das Hier und Jetzt, das als Begegnungspunkt mit dem Ewigen gedacht war, verflachte langsam zur reinen Diesseitigkeit. Der Mikrokosmos, als Sphäre, als Feld, in dem sich der göttliche Mensch entwickeln kann, wurde in einer verkürzten Sicht zu einem Umkreis, in dem sich Besitz anhäuft, zu einem Macht- und Wirkungskreis, zu einer gut bewachten Grenze zwischen Mein und Dein. Wir wollen diese Sphäre mit uns selbst, mit unserem „Eigenen“ füllen."

(Aus: Angela Paap: Im Auge des Orkans oder Die leere Mitte)

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